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© 2011 Marie Anne Jakob
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Von der Oberfläche in die Tiefe. Vier große Leinwand Tableaus in den Grundfarben blau, rot, gelb und grün. Auf jedem sind aus Holz reliefartig vier Symbole der belebten Welt montiert: ein Kreis, ein Haus, ein zwei gipfeliges Stück Gebirge und ein Laubbaum mit fülliger Krone. Dekorativ und mit dem poetischen Charme eines Kinderbuches, das das „So-und-nicht-anders-Sein“ der Welt erklärt, hat die Hamburger Künstlerin Marie Anne Jakob in ihrer Installation vier Zeichen der existentiellen Konstanten zueinander gesetzt. Isoliert, schräg gestellt und verkehrt herum. Nur die Sonne und der Mond, die die Vegetation und den Rhythmus menschlichen Daseins bestimmen, sehen aus jeder Perspektive gleich aus. Das Haus aber steht Kopf, das Gebirge fällt mit der Spitze nach unten, als würde es wie eine Zitze an der Weltkugel hängen, dort unten in Australien.

Das Haus ist ein Ort der Emotion und der Kultur. Das Gebirge ist die Schöpfung. Der Baum vertritt die Spezies der sich wandelnden Lebewesen. Bildlich nicht vorhanden ist der Mensch, aber den repräsentiert der Betrachter selbst. Ohne seine Anwesenheit und sein „shifting“ würde das Werk auch nur halb funktionieren. Bewegt er sich vor den Bildern, löst er Bewegungsmelder aus, die auf jedem Tableau ein Symbol zum Rotieren bringen. „Shift“, der Ausstellungstitel, meint Umdenken, Umschalten, Verschieben, das Wechseln einer Position.

Die Raeume, in denen sich die Gestalten bewegen und Zwiegespraeche halten, sind unruhige Farbfelder, deren verschiedene Farbschichten mit Pinsel und Spachtel, aber auch immer wieder von der Kuenstlerin direkt mit der Hand auf die Leinwand aufgetragen werden. Dieses ganz taktile Eingreifen in den Malprozess ist charakteristisch für ihre Arbeiten. Ohne diesen Akt haetten die Werke zweifellos nicht dieselbe Aura.

Die Installation scheint harmlos, hütet aber eine gelinde Zivilisationskritik. In dieser Inszenierung scheint die Welt in Ordnung, aber sie ist „nicht so, sondern doch anders“. Der Bewegungsmelder ist Ausdruck eines geplanten Vorgehens, das zur Überwachung eingesetzt wird. Trotz Welten umspannender Technik, perfekter Bürokratenplanung und staatlicher Kontrolle geraten die familiären Verhältnisse, die Individuen und die Natur immer weiter aus der Bahn. Für den ständigen Wandel der Lebenskonstanten hat die Malerin Marie Anne Jakob grafische Kriterien gefunden: Neben den Reliefsymbolen sind dieselben als Konturen gemalt – Ritzungen aus prähistorischen Zeiten. In den Felsmalereien verewigten unsere Vorfahren die für ihre Existenz wichtigsten Wesen und Handlungen.

Noch mal daneben erscheint das Symbol derart schraffiert gemalt, das eine Dynamik des Fliegens entsteht: Nur der Schemen des davon geflogenen Zustandes bleibt. Diese Bewegung erzeugt eine historische Dimension. Es obliegt dem Betrachter, die gesellschaftlichen Veränderungen Revue passieren zu lassen. Zunehmende Bewegung und Mobilität – sie sind Zeichen, Bezeichnetes und Katalysator der Installation.

Die linke Raumhälfte gehört Marie Anne Jakob, die rechte Joerg Huber. Verbunden werden sie durch eine raumfüllende Toncollage aus Schritten, eine irritierende Sammlung hörbarer Bewegung.

Gyde Cold